Freitag, 28. august 2009
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11:59
Bumerang
War einmal ein Bumerang
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.
Joachim Ringelnatz
Zwischen Skagerrak und Kattegat, an der Nordspitze Dänemarks, liegt die schmale Halbinsel Greenen. Hier prallen die Wellen von Nord- und Ostsee bei den dort oft herrschenden starken Winden mit
großer Wucht aufeinander und auch die starke Strömung ist äußerst gefährlich. Eine Wattlandschaft in ständigem Wechsel: mal Land, mal Wasser!
Copyright by Fred Lang
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Sensationeller Fund!
Copyright by Fred Lang
Als Landeplatz für den verschwundenen Bumerang aus dem gleichnamigen Gedicht von Joachim Ringelnatz ist diese
geheimnisvolle und unwirklich anmutende Gegend wie geschaffen. Und immerhin bis hierher ist das um "ein Weniges zu lang" geratene Wurfgeschoss geflogen. Jetzt wird auch klar, warum seine Rückkehr
zum Ausgangspunkt seinerzeit nicht möglich war.
Die schon damals hier herrschenden - fast immer äußerst ungünstigen - Wetterverhältnisse waren sicher die Ursache des Absturzes, und durch die große Wucht des Aufpralls drang der Bumerang tief in
den Boden ein.
Im Laufe der Zeit hatte sich zusätzlich eine dicke Schicht aus Sand und Geröll über dem Wurfgerät gebildet. Anscheinend ist sie erst vor kurzem durch eine sehr starke Gegenströmung wieder
weggeschwemmt worden - was schließlich dann auch zu seiner Entdeckung geführt hat.
Dass es sich bei meinem Fund um den vor etwa achtzig Jahren auf die Reise gegangenen Bumerang handelt, steht für mich zweifelsfrei fest. Eine abschließende Begutachtung durch den bekannten
Ringelnatzexperten Prof. Dr. Frank Möbus (Vorstandsmitglied der Joachim-Ringelnatz-Stiftung) musste jedoch leider unterbleiben.
Nach reiflicher Überlegung habe ich mich nämlich entschlossen, den für die literarische Welt gewiss sehr bedeutsamen Fund nicht der Öffentlichkeit zu übergeben, sondern ihn an Ort und Stelle zu
entsorgen. Vor allem aber auch, um internationalen Verwicklungen vorzubeugen.
Die Dänen sind fünfzig Jahre nach dem Ende der Besatzungszeit nämlich immer noch mit Recht etwas empfindlich im Hinblick auf Geschosse und andere Kriegserinnerungen. Halb im Sand versunkene
mächtige Betonbunker in unmittelbarer Nähe des Bumerang-Aufschlags künden noch heute von der großen strategischen Bedeutung des Ortes zwischen Nord- und Ostsee.
Warum der Bumerang genau hier zu Boden ging, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Vielleicht wollte ja der Dichter schon damals unsere nördlichen Nachbarn durch den Wurf des Bumerangs
vorwarnen. Ein nicht ganz von der Hand zu weisender Gedanke!
Ich hoffe, dass dieser interessante Aspekt vor allem von Professoren und Studenten der Literaturwissenschaft gebührend beachtet und in Kommentaren und gelehrten Abhandlungen entsprechend gewürdigt
werden wird. Eine Quellenangabe ist dann natürlich zwingend erforderlich.
Gewisse Anwürfe in Verbindung mit der öffentlichen Versteigerung des von mir am Strand von Norderney gefundenen Suahelischnurrbarthaares, aber auch die bisher enttäuschend geringe Höhe des
aktuellen Gebotes in Höhe von nur 47,11 Euro, erleichterten mir außerdem den Entschluss, meinen Fund ohne allzu große Gewissensbisse in die nördlichste Mülltonne Dänemarks zu werfen. Die
Dänen mögen ihre schönen Strände gerne sauber!
Copyright by
Fred Lang
von Fred
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veröffentlicht in: Glossen & Possen
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